Pressemitteilung 17. September 2010
-FGF Bayern-

 

Der Filmtechnik-Standort München im Vorfeld der cinec 2010

Münchens filmtechnische Betriebe antworten erfolgreich auf die digitale Herausforderung

Im Jahr 2010 sieht sich nicht nur die heimische, sondern auch die internationale Filmindustrie gleich zwei großen Herausforderungen gegenüber: die durchgängige Digitalisierung von Arbeits- und Vertriebsprozessen sowie die effiziente Vernetzung von Ressourcen und Knowhow. Besonders die Kinowirtschaft demonstriert die unaufhaltsame Entwicklung aufs Anschaulichste: Laut einer Untersuchung von Media Salles sind in Deutschland bislang mehr als die 600 Kinoleinwände (von insgesamt mehr als 4.700 Leinwänden) mit digitalen Projektoren nach Hollywood-Standard ausgestattet. Die entsprechenden Kinobetreiber sind in der Lage, sogenannten Alternative Content (etwa Sport- und Konzert-Übertragungen, ansehnlichere Werbeclips, Computergame-Events) und Spielfilme in 3D zu zeigen. Gerade das dreidimensionale Erlebnis erweist sich derzeit als Zugpferd der Branche: Internationale Kinoerfolge wie „Avatar – Aufbruch nach Pandora“, aber auch national lang erwartete Projekte wie demnächst „Konferenz der Tiere“, “Die 3 Musketiere“ oder „Wickie auf großer Fahrt“ illustrieren diesen Hype.

Auch die filmtechnischen Firmen in München/Oberbayern können und wollen sich diesem Trend nicht entziehen: Sie antworten mit greifbaren Innovationen, mit technischem Sachverstand und – in Zeiten ökonomischer Instabilität – mit einem ausgeprägten Gespür für die Finanzierbarkeit neuer Technologien. Bislang – also in der „analogen Ära“ – war die oberbayerische Filmtechnik international führend. Bekannte Unternehmen wie Arnold & Richter (ARRI), Bavaria Film oder Kinoton überraschten die Branche nicht nur mit beständigen Neuheiten in puncto Kinotechnik oder Filmnachbearbeitung, sondern etablierten sich auch außerhalb des Filmsegments als Traditionsmarken. In Zeiten einer sich immer stärker verselbstständigenden Digitalisierung, die ebenso neue Finanzierungsmodelle nach sich zieht, darf der heimischen Filmindustrie allerdings nicht der gleiche Fehler passieren wie vor einigen Jahren der Fotoindustrie beim Aufkommen der digitalen Consumer-Fotoapparate. Internationale Markenkonzerne wie Sony, Canon oder Nikon übernahmen damals das Ruder, bekannte deutsche Firmen wie Agfa, Linhof, Photo Porst oder CeWe Color hatten das Nachsehen.

Glücklicherweise bleibt die Metropole München und die Region Oberbayern allgemein für Medien und speziell für die Filmtechnik weiterhin ein Standort mit Fortune. Branchenbeobachter, wie das Internationale Congress Center München, loben etwa die besondere Münchner Mischung: „Münchens wirtschaftliche Stärke beruht auf der Vielseitigkeit seiner Wirtschaftsstruktur, einer breiten Palette von Wachstumsbranchen, der Mischung aus Global Playern und Mittelstand, hervorragend qualifizierten Arbeitskräften und einer ausgezeichneten Infrastruktur. Der hohe Anteil an modernen Industrien und Dienstleistungen macht den Großraum München genauso wie die vor allem durch die Lage begründete Lebensqualität zu einem Magneten, der für stetigen Bevölkerungszuzug sorgt.“

Dieser bajuwarische Magnetismus scheint vor allem dem flimmernden Wirtschaftsgut Film außerordentlich gut zu bekommen. Das filmische Zentrum bildet sicherlich die im Münchner Süden gelegene Bavaria Film Gruppe mit ihren zahlreichen Tochterunternehmen. Der Umsatz der Bavaria Film GmbH betrug im Geschäftsjahr 2008/2009 rund 223,5 Mio. Euro. Für Film- und TV-Produktionen offeriert „die Bavaria“ eine komplette Dienstleistungsstruktur, und die Bavaria-Filmstadt lockt jährlich zwischen 400.000 und 500.000 Touristen mit Spaß und Unterhaltung. Nationaler und weitestgehend unabhängiger Marktführer in Verleih und Produktion ist die börsennotierte Constantin Film AG, deren Gründer und Top-Produzent Bernd Eichinger (jüngste Erfolge: „Der Baader Meinhof Komplex“, „Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders“, „Der Untergang“) selbst in Hollywood ernst genommen wird. Das scheint auch die Förderung des FilmFernsehFonds Bayern zu goutieren, dessen allgemeine Förderleistung im Jahr 2009 mit 27,6 Mio. Euro auf stabiler Höhe mit dem Vorjahr lag und 353 Projekten zugute kam. Das Cluster audiovisuelle Medien, eine Abteilung des FFF und Teil einer Initiative der Staatsregierung, unterstützt mit verschiedenen Präsentationen, Vernetzungsveranstaltungen und beim Begleitprogramm der cinec 2010 die filmtechnischen Betriebe Bayerns bei der Sichtbarmachung und Darstellung ihrer Leistungsfähigkeit und Weltmarktkompatibilität, insbesondere jetzt auch mit den zahlreichen Neuentwicklungen für Stereo 3D-Produktionen.

Und last, but not least erweist sich die oberbayerische Filmtechnik als federführend; in Gesamt-Bayern sind auf diesem Gebiet mehr als 75 Firmen tätig. So entwickelten etwa die Visual-Effects-Spezialisten von ScanlineVFX die Computer-Software „FlowLine“ für die 3DAnimation der flüchtigen Elemente Feuer, Wasser und Wind, die u. a. in Roland Emmerichs jüngstem Actionfilm „2012“ zum Einsatz kam. Dafür erhielt Scanline 2008 von der US-amerikanischen Academy of Motion Pictures Arts and Sciences einen Technical Achievement Award, auch bekannt als „Technik-Oscar“. Die seit 1917 in München tätige Weltfirma ARRI hat bislang 16 Awards (Statuetten und Technical Awards) gewonnen; zuletzt ging in diesem Jahr der „Technik-Oscar“ an die Entwickler des ARRISCAN.

Laut einer Studie des Unternehmensberaters Ernst & Young erwirtschaftet allein der Standort München rund 40 % aller bundesweiten Umsätze bei filmwirtschaftlichen Unternehmen. Neben den stetig gewachsenen Strukturen und Netzwerken profitieren München und Oberbayern aber spätestens seit Beginn des „digitalen Zeitalters“ auch von einer überaus kreativen Medienkultur, die sich selbst gern als Kreativwirtschaft betrachtet. Schlagworte wie IPTV, Web 2.0 oder Mobile Media sind hier zu nennen, aber vor allem auch das große Segment der Unterhaltungssoftware.

Neben der kreativen Idee bildet maßgeblich die Technik die Grundlage von Film und weiteren audiovisuellen Anwendungen. Während also die oberbayerische Region alle Ingredienzien für erfolgreiches Medienwirtschaften bereithält, wünscht sich die filmtechnische Industrie besonders von der Politik eine stärkere Berücksichtigung ihrer eigenen Belange. Erst dann ist auch im 21. Jahrhundert vor dem Hintergrund einer globalisierten Weltwirtschaft sichergestellt, dass weiterhin in (Ober-)Bayern neueste Technologien und profundes Filmemachen entstehen, die auf der ganzen Welt beeindrucken.

 

Bildmaterial

Bild 1 (jpg, 3,4 MB)
(v.l.n.r.): Franz Kraus, Arnold & Richter Cine Technik GmbH & Co. Betriebs KG
Thomas Popp, Arnold & Richter Cine Technik GmbH & Co. Betriebs KG

Bild 2 (jpg, 3,5 MB)
(v.l.n.r.): Erich Fitz, Panther-/HTG GmbH
Julika Sandt, MdL, medienpolitische Sprecherin der Landtags-FDP
Eberhard Sinner, MdL, medienpolitischer Sprecher der Landtags-CSU

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